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ladenroboter

oh, schaut mal, die plasticzooms (bzw der asakawa) haben es zu mtv81 geschafft und prompt die filmcrew in den a store robot in harajuku geschleppt.

der steht seiner meinung nach für ura-harajuku und die synthese zwischen mode und musik, die er als grundlage für sein harajuku sieht. dass sie gerade diesen shop featuren um das zu zeigen, freut mich, allerdings ist es schade, dass sie das ganze scheinbar stark runtergekürzt haben. denn es ist interessant, wie ein angeblich so oberflächlicher bereich wie mode gerade punk in japan einiges an tiefe gibt, die ihm nur allzu gerne aberkannt wird, weil da ja keiner die ‚echten‘ entwicklungen in england oder amerika nachfühlen könne, weil die ganze rebellion nur ein look sei.

aber bleiben wir beim video und bei mode und musik und urahara (= ura-harajuku, quasi die rückseite von harajuku). ‚es ist nicht ausreichend, nur coole mode oder coole musik zu machen‘, schön und gut, aber wie genau ist es in diesem fall mehr geworden?

ich würd zu anfang gerne auf einen kurzen englischen artikel zur geschichte des punk in japan verweisen, aber das beste, was sich da machen lässt ist dieser von ian martin zur geschichte der alternativen musik in japan. merken wir uns einfach, tokyo rockers 79, zum beispiel der s-ken ist als reisender journalistenmusikerfotograf für den direkten import zuständig gewesen, größere zeitverschiebungen gab es da also nicht.

um als newcomer in einer hippen gegend wie harajuku* fuß zu fassen, blieb damals kaum eine andere wahl, als in die verwinkelten sträßchen hinter der meiji-dori zu ziehen, abseits der haupt-shoppingwege und in irgendein obskures apartment, gerne auch im zweiten stock hinten links. a store robot liegt zwar ebenerdig, aber mit dem bonus, dass sie nur über eine fußgängerbrücke zu erreichen sind. sie waren die ersten, die damals vivienne westwoods designs ins land holten. diese exklusivität prägte ihren ruf, sie sind bis heute nicht irgendein reseller, sondern haben eine eigene replica-linie. im video findet ihr neben dieser auch so einige sammlerstücke, die da so ganz unkommentiert an der wand hängen.

ebenfalls zu sehen und die nächste verbindung, ein shirt von den plastics. bands wie sie oder melon experimentierten mit punk, new wave und was sie sonst noch so fanden und sahen auch einen eigenen look als teil des gesamtkonzepts an. das nötige know how hierfür trugen die modestudenten in der szene bei, diese zeitzeugin beschreibt, wie sie das tsubaki house dank seiner mitgliederrabatte quasi schon tagsüber als mensa-ersatz besuchten oder wie dort lustige haarstyling-wettbewerbe abgehalten wurden. konzerte oder jobs im ausland ermöglichten einigen kreativen, immer weiter neue musik mitzubringen, die in den kleinen clubs auf dem plattenteller landete, und so erweiterte sich das repertoire stetig.

unter den besuchern von london nite und co war auch fujiwara hiroshi, der als punkfan nach london ging und am ende mit hip hop aus new york wiederkam. sein exklusiver fundus und sein wissen machten ihn zu einem gefragten designer, stylisten, kolumnisten, dj und rundherum zentralen punkt in der street fashion-szene. er half jonio und nigo bei der eröffnung von nowhere, die beiden bastelten ihre eigenen brands undercover und a bathing ape und damit war endgültig der grundstein gelegt für die entwicklung, für die der name urahara am ende stehen sollte: ein dichtes gewebe aus street fashion, musik und zitaten aus diversen szenen, von punk über skateboarding bis hin zum hiphop, gekrönt mit einem faible für alles limitierte, exklusive, historische. dieser teil der entwicklung ist hier nur noch begrenzt relevant, deswegen kürze ich ab. wer dazu mehr lesen will, dem empfehle ich dieses interview mit fujiwara sowie diesen und äh alle anderen artikel von marxy zu bape. zu wirkungen auf aktuelle designer diesen ln-cc artikel.

okay, hab ich mit dieser verrenkung jetzt die wurzel des wahren punk gefunden? wohl eher nicht. ich habe aber dank ein wenig hintergrundwissen ein instrument, um die entwicklungen in diesem bereich ein bisschen differenzierter zu betrachten als es anderswo üblich zu sein scheint.

natürlich gibt es auf der takeshita dori die billigen ‚punk‘-looks für die sonntags-rebellen aus den arte-dokumentationen. damit wird  sicher der größte umsatz gemacht, während die träger am wenigsten ahnung von der herleitung ihres stylings haben. der als so echt verehrte jimsinn hat zwar den korrekten musikgeschmack, verkauft letztendlich auch nichts anderes als mittlerweile etablierte basics, genau wie unsere hiesigen ‚alternativen‘ lädchen. gleichzeitig finden sich schon ein paar schritte weiter fanatiker, die es einem 0815-designerjob vorziehen, in irgendwelchen kellerlöchern ihre abstrusen ideen umzusetzen und sie an eine handvoll gleichdenkender weiterzureichen. die haben zwar die erwarteten radikalen ideen, hören aber nicht zwangsweise die richtige musik dazu. wer also kriegt das subkulturelle echtheitssiegel? vielleicht am ende doch wieder der ladenroboter, der mit seinem mix aus nostalgiekollektion und kreativen jungspunden in seiner eigenen kleinen bubbel vor sich hinschwebt.

tl;dr? der ladenroboter ist fein. ich habe keine ahnung von punk, aber einen internetzugang.

*  ich spreche die ganze zeit von harajuku, weil das beispiel es so hergibt, aber das ganze lässt sich aber sicherlich mit nur kleinen änderungen auch auf shimokita, koenji, amemura oder sonstwo übertragen.

希望 – 天%