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woll! diesmal ist alles dabei, von boulevard bis wissenschaft.

★ lange kein peinliches jmusic-interview mehr gesehen? hier ist ein ein aktuelles mit mucc, wo sie in begleitung eines zweifelhaften mtv81-mitarbeiters durch nakano rennen. sie besuchen ein instantramen-restaurant inklusive lokaler omma sowie den broadway. an dieser stelle dieser exklusive einblick in das hirn des moderators und die anmerkung, dass ich gerne empfehlungen zusammenstelle, wenn jemand den wirklich interessanten teil dieses einkaufszentrum gewordenen 80s-zeitlochs kennenlernen will.

★ noch ein video: scene unseen – dancehall in japan, ein interessanter einblick in eine szene, die mir bisher nur ganz am rande begegnet ist.  yep, es ist teil einer branded entertainment-serie, aber macht das nen unterschied zu den vom tourismusministerium finanzierten berichten im fernsehen?

★ the 405 guide to jpop ist ein einführungsding, das man nach jedem werfen kann, dem man japanische musik näherbringen will. und mit ’näherbringen‘ meine ich hier nicht, betrunkene menschen mit den videos der AKBesen-armee in tiefe sinnkrisen zu stürzen.

★ abschließend schockierenderweise was lehrreiches: so sehr ich die edX-website für ihre unbedienbarkeit hasse, dieser kurs mit dem titel Visualizing Japan (1850s-1930s): Westernization, Protest, Modernity ist ziemlich cool. bevor ihr schaudernd weiterscrollt: stellt es euch ein bisschen wie einen annotierten tumblr vor, denn der ansatz ist komplett bildorientiert! von klassischen historikerthemen wie den schwarzen schiffen bis zum corporate design von shiseido wird mithilfe von kunst, fotos, design nachvollziehbar, wie japan sich damals wortwörtlich gesehen hat.
das alles ist natürlich gratis, trotz der großen namen für einsteiger konzipiert, aber auch für studierte menschen empfehlenswert.

musikgeschichte überall: TO-Y

okay, das klingt jetzt eher komisch, aber ich hab ne anime-empfehlung für euch. nicht wegrennen – normalerweise bin ich da ja weniger qualifiziert, das ist mir bewusst, aber das hier ist was anderes. hat nämlich mit musik zu tun und mit den 80ern. eigentlich sogar mit beidem gleichzeitig. es ist quasi beck oder nana, nur vor 20 jahren.
in fachkreisen scheint die TO-Y OVA als geheimtipp gehandelt zu werden, fragt mich aber bitte nicht, warum dem so ist. die story ist eher semi-reichhaltig, die animation dem alter entsprechend ebenfalls nicht der bringer, aber sie werden schon ihre gründe haben. retro-avantgardismus beiseite, relevant ist: das ding bietet einen netten einblick in die damalige musikwelt und die veränderungen, die bevorstanden.

der anime basiert auf dem gleichnamigen manga von kamijo atsushi aus dem jahr 85, die adaption ist von 87. TO-Y ist sänger der band GASP, die kurz vor ihrem größten erfolg stehen – einem live im hibiya yaon (der großen open air-bühne mitten im hibiya-park, ame no yaon undso). gleichzeitig bekommt er aber auch die chance, eine solokarriere zu starten und als idol deutlich mehr zu erreichen, als sich eine band damals hätte träumen lassen. ich belasse es für die inhaltsangabe mal dabei, das ding ist ja (fan)subbed.


spannend ist das ganze aus zwei perspektiven: zum einen kann man die zeit kurz vor dem großen bandboom, aus dem später unter anderem visual kei hervorgehen sollte, ein bisschen miterleben. man sieht das alte loft, damals noch in nishi-shinjuku, die probenräume, die bands und fans, ihr styling, auf der anderen seite aber auch das damals richtig boomende pop-business, nicht umsonst nannten sie es die goldenen jahre der idols. produktionsfirmen hatten die medienhoheit, waren in der lage, eine karriere aus dem nichts zu erschaffen oder zu zerstören. und plötzlich kamen bands wie boowy, die blue hearts und konsorten an und spielten sich von den bandwettbewerben auf immer größere bühnen, waren inspiration für den nachwuchs. das publikum feierte die abwechslung – indielabels und zeitschriften folgten, das hokoten bot die möglichkeit für open air-lives, ikaten (revival-specialdings) brachte das ganze ins fernsehen, die großen labels stiegen ein. die bands, die erfolgreich aus der boomzeit hervorgingen, brauche ich wohl keinem mehr vorzustellen, denn ohne die würdet ihr das hier nicht lesen.

zum anderen, und hier wird das jetzt wieder meta, kann man retrospektiv wunderbar sehen, wie auch manga oder anime wie dieser den boom mit beeinflusst haben. falls sich jemand wunderte, wie zur hölle ich überhaupt auf TO-Y kam: lest mal interviews mit den  bandboom-kindern, in denen sie gefragt werden, wie sie damals auf die idee mit der musik gekommen sind. nicht wenige werden neben den zu erwartenden musikalischen vorbildern auch etwas wie diese story nennen. (zur hand hätte ich diese erwähnung des herrn h. der lieblingsband g. irgendwo ab minute 11, aber da geht deutlich mehr, wenn man sucht.)

und als weiteren bonus: die bands waren beim anime nicht ganz unbeteiligt. nokko spricht die rolle der niya, opening und ending sind von psy-s, der soundtrack hat alles von zelda über street sliders bis barbee boys. schade, dass die protagonisten keine eigenen aufnahmen bekommen haben, aber der rest passt perfekt.
noch großartiger ist allein die darstellung der pop-fankinder, denn die ist auch für heutige verhältnisse noch absolut auf den punkt. der kontrast zu den GASP-fans – ich applaudierte.

soweit. wer lust bekommen hat: das video da oben ist die komplette OVA mit fansubs, mit japanischen originalen wird man nicht viel glück haben, wenn man das so liest. der manga schwirrt in rohfassung ebenfalls durchs netz. einen soundtrack meine ich auch gesehen zu haben, wobei einem sowas wie die sliders in jedem bookoff albenweise hinterhergeschmissen wird.

♪ UPLIFT SPICE – the hanged man