Getagged: harajuku

byebye FRUiTS, byebye harajuku?

die modemeldung der letzten woche: FRUiTS, das erste und einzig wahre streetsnap-magazin wird eingestellt, weil es in harajuku keine coolen kids mehr zu fotografieren gibt. uniqlo und h&m haben gewonnen, harajuku als modeparadies ist gefallen im namen des kawaii-tourismus. oh, wie sie alle einstimmten in den großen abgesang…

„es gibt keine coolen kids mehr in harajuku“?

…war der aufmacher überall, auch im original-interview. der kontext dieser aussage war aber der, dass es keine modelle mehr gebe, die aokis ansprüchen genügen. nun ist der herr eher zurückhaltend und medienscheu, aber die wenigen kommentare, die ich von ihm kenne, waren immer kritisch. beispielsweise gabs gemecker, dass gyaru / cosplayer ja das ende der kreativität seien und dass die street fashion-szene nach dem ende des hokoten eh am ende sei. lustig dabei: wir reden hier von genau der FRUiTS-hochphase, die hinterher durch fotobände und ausstellungen weltweite berühmtheit erlangen sollte. die den ganzen boom also erst gestartet hat.
die betonung sollte hier daher vielmehr auf die ansprüche gelegt werden, denn wenn FRUiTS eins war, dann anspruchsvoll. andere magazine bilden die zu ihrer publikation und zu den werbekunden passende teilrealität ab. die arbeitsweise: es wird konkret nach items oder looks gesucht, die zur zielgruppe passen und für die zuvor ein feature geplant wurde – teils aus dem wunsch, dem leser aktuelle trends aufzubereiten, teils sicher auch auf anregung der mit dem magazin verbundenen marken (lesenswert dazu dies und jenes).

das hat die FRUiTS komplett anders gemacht, weil sie eben kein klassisches modemagazin ist, sondern großteils fotos von der straße präsentiert und die durch einzelne designerinterviews oder andere, persönliche features ergänzt. soll nicht heißen, dass das magazin gänzlich unabhängig von harajukus modenetzwerk operiert hat: es war vielmehr sehr wählerisch in der auswahl derer, die die ehre eines fotos oder sogar des titelblattes bekamen, unterstützte diese dann aber langfristig. einerseits eine tolle möglichkeit, den aufstieg eines talentierten modeschul-studenten zum designer mit eigenen kreationen, welche dann wiederum an anderen personen fotografiert wurden, nachzuvollziehen und up to date zu bleiben, was sich in der eigenen szene so tut. dass dieser stil ehemalige FRUiTS-fotografen geprägt hat, zeigt z.b. die arbeitsweise von rei shito, die neben den fotos auch immer kurze unterhaltungen mit den modellen, teils mit rückbezug auf monate vorher angesprochene themen, postet.

andererseits nahm der fokus des magazins auf street snap-idole irgendwann überhand: anstelle der designer-vorstellungen hatten die letzten ausgaben profile von eher zufällig ausgewählt scheinenden…ja, was eigentlich? influencern? print-instagrammern? ob das als reaktion oder kommentar auf eben die wachsende beliebtheit solcher accounts gemeint war, kann man nur vermuten.

einige kommentare zur meldung werfen dem aoki direkt vor, dass ihm schlicht das verständnis für die aktuelle harajuku-generation fehle und er deswegen hingeworfen habe. auch hier wieder der blick auf die quelle (gleiches interview wie oben): er spricht zwar vorerst von einer einstellung der monatlichen FRUiTS-ausgaben, auch wenn sich die kreative lage mittlerweile wieder gebessert habe (!) und argumentiert zudem, dass ein monatliches printformat der zeitschrift nicht das sei, was die jungen leser suchten. klingt schon plausibler, hm? da er weiterhin interesse an der suche nach models und designern zu haben scheint und events plant, sind unregelmäßige sammelausgaben oder etwa eine online-fortführung der snaps noch lange nicht vom tisch. vonwegen die harajuku kids sind tot und alter mann frustriert von der ideenlosen jugend, hm?

und harajuku ist jetzt auch gentrifiziert, aus, vorbei?

harajuku war in den letzten jahren sicherlich nicht die ideale entwicklungsumgebung für junge, kleine brands. zu viel fläche wurde aufgekauft, sei es h&m oder asobisystems (kyary, cute cube, kawaii cafe, etc), alle haben sich dicke scheiben abgeschnitten vom cool japan-kuchen. obendrauf noch die touristenhorden – egal ob trekkingsandalen auf freak-fotojagd oder chinesische duty free-reisebusse – und es wird verdammt eng in dem kleinen stückchen land. wenn sich sogar herr fujiwara höchstpersönlich über die hohen mieten beschwert, während er einen popup store an der ginza betreibt, ist da irgendwas nicht ganz richtig.

was mich allerdings stutzen lässt sind die, die für die erhaltung der puren, reinen, handgemachten kreativität des viertels protestieren, so wie es sie schon immer gegeben habe. problem dabei: harajuku war nie so durchgehend indie, wie es die ganzen hipster gerne hätten. sicherlich wirkt das neue mega-gebäude am ende der takeshita wie der bedrohliche kommerz-hammer über den ganzen niedlichen zweistöckigen hutzelhäuschen, aber genau da hat schon ende der 70er ein hässliches kaufhaus mit internationalen luxusmarken gestanden (vierte reihe von oben links, erinnerungen einer anwohnerin, bilder vom café davor). sämtliche teenie-stadtguides der 80er erwähnen die takeshita als shoppingparadies für billige kopien aktueller modetrends aus der ganzen welt. stars und sternchen haben sie schon aus den reihen der takenoko-zoku gecastet (hiro-kun und shimizu kojiro, ersterer in aktion), auch die idolshops passten bereits ins straßenbild. das hokoten, die street fashion-obsession der 90er und der bape-boom (gefühlt alles, was kimutaku so anhatte, kam aus urahara, die hässliche leder-daunenjacke war der tophit und bekam neulich erst eine jubiläums-neuauflage) brachten ebenfalls nicht wenig medienaufmerksamkeit, die kleinen, versteckten shops von urahara waren plötzlich alle kartographiert und kategorisiert.

sicherlich ist es mitten im olympia-bauboom wichtiger denn je, die spezifischen räumlichen gegebenheiten z.b. rund um die cat street vor großen investoren und glaspalästen zu schützen. gäbe es die möglichkeit zu einer fashion-tokku, wie misha janette sie hier fordert, wäre das sicherlich ein großer schritt in die richtige richtung. wahrscheinlich ist er allerdings nicht.
trotz alledem weigere ich mich allerdings noch, in den abgesang auf harajuku einzustimmen. diese ecke hat schon viel zu viel miterlebt, ohne ihre anziehungskraft zu verlieren. insbesondere der bereich rüber nach shibuya wird jedes mal, wenn ich wieder einen blick hinwerfe, interessanter. aber mal abwarten, wie meine stimmung nach dem ersten besuch dieses jahr aussieht. bisher glaube ich allerdings noch, dass die klassische gentrifizierung, wie wir sie hier an jeder ecke erleben, nicht 1:1 auf tokyo übertragbar ist. aber wir werden sehen…

(herzlichen glückwunsch, natürlich hab ich jetzt nen ohrwurm von dem takenoko-zoku-discoschranz…)

Advertisements

linkmix

★ yeah, da ist das ersehnte aya-update: cruel she heißt ihre neue band, der noch ein basser fehlt. sie haben allerdings livetermine im september wohl fest, wer dann drüben ist, sollte das im hinterkopf behalten. für den rest bleibt die hoffnung auf neues material.

★ ebenfalls zurück unter den lebenden sind ex-ans, ab herbst gehts da mit den alten mitgliedern wieder los. ist ne extasy records-truppe, also freut sich eventuell der eine oder andere. wem sie neu sind: ist die alte band von automods yukino, youtube hat einige dinge.

★ das drama um die akb-beteiligung an der olympia-eröffnungsfeier 2020 ist einige zeit her, jetzt hat goo mal nachgefragt, wen sich die leute so als musikalischen repräsentanten für ihr land vorstellen könnten. ich würd ja sagen, alles was nicht idol ist, kann gerne präsentiert werden, aber ob das die opas in den anzügen genauso sehen? ranking-gewinner sakamoto ryuichi kann ich mir perfekt vorstellen, das konzert in der tonhalle mit alva noto wird mir noch lange in erinnerung bleiben.

★ interessant, wie deutsche modeblogger harajuku wahrnehmen. natürlich freut es mich, wenn es jemandem da gefällt – aber mode jenseits aller normen, losgelöst von zeitschriften-ratschlägen? mode wird von einigen wenigen als kreative herausforderung angesehen (und nicht im sinne des hiesigen ‚wie trage ich unauffällig meinen schlafanzug auf der arbeit‘), soweit stimme ich der autorin zu. aber gerade magazin-empfehlungen oder anderweitig extrem spezifische trends fallen mir nirgendwo mehr auf als in harajuku. alles ist geballt da, auch die inlandstouristen, wochenendshopper aus china, neu zugezogenenen landeier, die besonders intensiv auf vorgaben zurückgreifen, um in einer solchen modischen umgebung nicht negativ aufzufallen, genau wie die shops, die diese sachen geballt verkaufen.
ja, harajuku ist sichtlich kreativer als andere angebliche modestädte, aber das ist wenigen wirklichen streetstyle-stars und vielen, sehr divers aufgezogenen und von labels sowie lesern exakt umgesetzten magazinen geschuldet. was nix falsches sein muss – hierzulande wäre uns schon geholfen, wenn die holde fachpresse (egal ob digital oder print) mal wirklich mode-informationen präsentieren würde und nicht nur sommers wie winters jeansundtshirt und hollywood-trivia.

★ abschließend metal faiyaaah und mikanmikanmikannn! ich danke kira dafür, dass sie mich über diese wunderbare kollaboration der sex machineguns mit the kanmuri in kenntnis gesetzt hat. (wann wird zweiteres eigentlich endlich offizieller tourismus-werbesong für ehime?)

linkmix

★ WTF der woche: bo ningen haben scheinbar irgendwas mit zoolander 2 am hut? großartige soundtracks machen mir manch fragwürdige story schmackhaft – und ich meine sogar, den ersten teil gesehen und überlebt zu haben…mal sehen, was das wird.

★ spannender artikel über die 68er studentenproteste in tokyo. auch, wenn es hier noch so kategorisch ausgeschlossen wird – hätte gerne mal eine geschichte der querverbindungen zwischen universitätskultur und rockmusik, den zirkeln verdanken wir im späteren verlauf ja doch einige großartige bands.

★ kontinuierliche themen sind kontinuierlich: hier ein sehr ausführliches video zur großartigkeit und benutzung von onsen. mein größtes problem mit onsen ist meine luftfeuchtigkeitsbedingte blindheit in ebenjenen (im gegenzug muss ich dann aber auch keine schrumpelomas ankucken), aber es soll ja noch skeptiker geben, die sich hiervon überzeugen lassen können. weiteres argument: extensive sento-gänge ermöglichten mir ein marathonprogramm von zwei tagen festival, einem elle- und einem hormon-live innerhalb einer woche, mit jetlag und im hochsommer.

★ harajuku baut weiter um. diesmal positiv erwähnenswert: nachdem sich der topshop kürzlich unehrenwert aus dem laforet (und dem land) verzog, wurde ein großer teil des zweiten stocks frei. und sie haben es nicht wieder an irgendeinen langweilerbetrieb mit verdreifachten preisen vermietet, sondern bauen unter anderem einen bereich für junge labels hinein – und einen frittenladen. läuft.

★ schaut das PV zu oomori seikos hayatochiri. schaut das PV zu glays yuuwaku. fragt euch, ob die jugend von heute zweiteres wohl dank ersterem erst kennenlernen durfte. meditiert über den sinn und zweck von tischdeckenlack, wenn er nicht bedeckt.

linkmix

eine runde wildes klicken, um mich davon abzuhalten, in benachbarte wohnungen einzudringen und andererleuts bravo hits 13-24 / kirmestechno-sammlungen zu vernichten.

★ das wichtigeste zuerst: es sieht so aus, als wäre aya zurück! also, kinjirareta uta, baghdad sky aya, die irgendwann damals einfach verschwand. jetzt tauchte dieser youtubechannel auf, der promovideos und alte making ofs zeigt. die kommentare sprechen z.b. von einem RIJ-auftritt dies jahr (gibt aber noch kein offizielles lineup). natürlich: gesichert is nix, bevor nicht ein offizielles update von der plattenfirma oder sonstwem kommt. ich hab die info aus der guten alten lj-comm, da erzählt jemand, dass das ganze an einem g+-account dranhänge, der definitiv nach ihr aussehe. den haben sie scheinbar mittlerweile auf privat gesetzt, aber gut. fuck, wenn das stimmt, wäre das eine der besten nachrichten des jahres!

★ was ganz anderes, aber weil zwei shoppingkomplexe an der takeshita noch nicht genug waren, hat harajuku jetzt sein eigenes alta. wie alles gut sichtbare dort an ein eher junges publikum gerichtet, unter anderem mit einem gift shop aus dem hause swimmer, nem disneystore, nem purikura-laden und den üblichen kramsläden. (ich erwähne es halb aus interesse an der location und halb, weil ich immer noch über altastyle lache, wenn ich es irgendwo auf nem schild sehe. allllta.)

dieser nyt-artikel über einige tokyoter airbnb-hosts ist ganz interessant. was genau die autorin damit sagen will, bleibt mir zwar unklar (japan ist das ausland und daher nicht wie zu hause?), aber die motivationen der einzelnen, doch sehr unterschiedlichen leute können ein guter startpunkt sein, wenn man sich in der richtung für den nächsten urlaub umsehen will.

hier hat jemand ein interview übersetzt, das einen einblick in die welt der jimusho gibt, indem es künstlermanagement in japan mit amerika vergleicht und die frage beantwortet, warum einige artists einfach mal verschwinden. ist eine zusammenfassung dieses buchs, falls wer dazu mehr lesen muss/will/es für mich kaufen will.

tokyo girls collection gibts ab nächstem jahr auch in new york, sagt BoF. mal sehen, wie diese art von modenschau-event-verkaufsveranstaltung da ankommt und welche marken sie mitnehmen.

★ ein post, der die verwendung des wortes manga-ka im ausland diskutiert – aus professioneller sicht geschrieben und (bisher) mit intelligenten kommentaren versehen. auch wenn man eher weniger otakiert, ist z.b. die beschreibung der verlage und ihrer wünsche vielsagend.

linkmix

frohes neues!

während alle anderen menschen irgendwelche 2014-rückblicke posten, mach ich erstmal news.

kemuri sind mit guten news ins jahr gestartet: sie kriegen ein US-release bei asian man records! mirai wa akarui kommt im april, sagt der herr park bei twitter. die website spricht von einer „Collection of amazing songs from these Japanese ska/punk legends“ und von einer LP….also kein komplett neues album, sondern eher eine compilation? egal, es wird international verfügbar sein und somit auch für uns in ihrem shop zu kaufen. (da liegen auch so einige potshot-alben rum, nicotine und mugwumps sind auch bei ihnen. wer da bedarf hat, bittesehr.)

★ eine weitere, für fans wohl eher epische kollaboration: maximum the hormone inspirierten einen neuen dragonball-film mit ihrem song F (übersetzte lyrics in der beschreibung), also sprach herr toriyama sie darauf an und sie holten für ihn das release von 2008 nochmal aus der kiste, um damit einen der epischen kämpfe zu unterlegen. fukkatsu no F wird er heißen und sich dementsprechend um die wiederauferstehung des F (freeza) drehen. kinostart in japan ist anfang april.

★ ich hab kohaku diesmal nur nebenbei während der arbeit gesehen, aber im nachhinein gabs einige diskussionen über southern all stars und ihre abe-kritik durch songtext-änderungen und klebebärtchen. ist nicht ganz mein fachbereich, aber wer interesse hat, findet hier und da englischsprachige kommentare.

★ fans des alten birkenstock-ladens an der meiji-dori (schräg gegenüber dem unteren ende der takeshita-dori) müssen jetzt stark sein, denn er wurde durch das harajuku visitor center ersetzt, das sich asobisystem (die mit dem failigen kawaii festival neulich) ausgedacht haben. wer bisher in harajuku noch keinen ort gefunden hat, um geld zu tauschen, post zu verschicken, omiyage zu kaufen und gratiswlan abzugreifen, kriegt ihn jetzt im neon-format. für mich kein mehrwert – shoppen kann ich gerade da anderswo, ich kenne die postfilialen und wlan gibts im bahnhof oder bei starbucks. geldautomaten, die umfassend internationale karten akzeptieren wären mal was feines.

★ wer auf 80s kramzeug steht, wird erfreut sein über das revival der takarajima als vierteljährliche takarajima AGES. die erste ausgabe ist kurz vor jahresende erschienen und widmet sich mit einem special all den guten dingen, die sie damals zusammentrugen: die beteiligten von damals sammeln erinnerungen zu punk und new wave, streetfashion, clubs. und das modell scheint gut zu funktionieren, jedenfalls war sie schon am erscheinungstag bei amazon ausverkauft und ich musste einem der wenigen reseller eine unsumme in den rachen werfen. (wenn die post sie denn mal hergibt, werde ich berichten.)

★ weil es den aktuellen lieblingsanimu so gut zusammenfasst, sei ohne kommentar dieser tumblr empfohlen. stecke gerade irgendwo im letzten drittel der epische 155 folgen messenden zweiten staffel und liege regelmäßig lachend am boden, weil alles so überaus logisch, classy und politisch korrekt ist. elegante wortspiele runden diesen eindruck perfekt ab.

★ zum abschluss noch der hinweis auf eine kurze doku eines deutschen, in japan lebenden film- und fotomenschen: er zeigt den houshi ryokan sowie seine beeindruckende geschichte, denn der laden ist seit 1300 jahren in der hand der gleichen familie. die aufmerksamkeit, die der herr gerade bekommt, freut mich, sein blog wohnt lange schon in meinem feedreader und erfreut auch den sonst eher klischeegeplagten japanologen mit interessanten stories und hintergründen zu solchen medienproduktionen. einer meiner lieblingseinträge ist schon was älter, hat aber durch nakano und livehouses klaren heimvorteil.

linkmix

★ es gibt einen neuen bericht über eine japanische modeszene, der nicht komplett schiefging. und es geht nicht mal um irgendwas langweiliges, sondern um decora! natürlich geht ihre analyse über ein simples ‚rebellion gegen die uniform / gruppe‘ nicht hinaus, aber immerhin zeigen die menschen von refinery den nötigen respekt und berichten einfach neutral. schöne bilder von tokyo und den üblichen verdächtigen!

★ sehr verstörend im gegensatz dazu ist diese disney-umsetzung des haradschuku görl-themas, die man mir vor einiger zeit unterjubelte. brain bleach bereithalten.

★ hintergründige leseempfehlung: hier erläutert ein japanischer musiker, warum er ziemliche ähnlichkeit zwischen salarymen und musikern des landes sieht. nicht das erste mal, dass der vergleich gezogen wird, meist hört man das aber eher im verbindung mit den verträgen bzw. der pflichtanwesenheit im büro des labels. sehr viel ausführlicher auf den sempai/kohai-faktor gehen dieser und welcher artikel  ein.

★ das neue fake? album sagt mir derzeit sehr zu. hier finden sich track für track kommentare von ken, außerdem sind samples auf soundcloud verlinkt. wer es ganz hören will: spotify hats, itunes ebenfalls.

★ und damit alles schön konsistent erscheint: hier ist ein ranking der dümmsten gründe, warum mondfische das zeitliche segnen. spirit animal undso?

ladenroboter

oh, schaut mal, die plasticzooms (bzw der asakawa) haben es zu mtv81 geschafft und prompt die filmcrew in den a store robot in harajuku geschleppt.

der steht seiner meinung nach für ura-harajuku und die synthese zwischen mode und musik, die er als grundlage für sein harajuku sieht. dass sie gerade diesen shop featuren um das zu zeigen, freut mich, allerdings ist es schade, dass sie das ganze scheinbar stark runtergekürzt haben. denn es ist interessant, wie ein angeblich so oberflächlicher bereich wie mode gerade punk in japan einiges an tiefe gibt, die ihm nur allzu gerne aberkannt wird, weil da ja keiner die ‚echten‘ entwicklungen in england oder amerika nachfühlen könne, weil die ganze rebellion nur ein look sei.

aber bleiben wir beim video und bei mode und musik und urahara (= ura-harajuku, quasi die rückseite von harajuku). ‚es ist nicht ausreichend, nur coole mode oder coole musik zu machen‘, schön und gut, aber wie genau ist es in diesem fall mehr geworden?

ich würd zu anfang gerne auf einen kurzen englischen artikel zur geschichte des punk in japan verweisen, aber das beste, was sich da machen lässt ist dieser von ian martin zur geschichte der alternativen musik in japan. merken wir uns einfach, tokyo rockers 79, zum beispiel der s-ken ist als reisender journalistenmusikerfotograf für den direkten import zuständig gewesen, größere zeitverschiebungen gab es da also nicht.

um als newcomer in einer hippen gegend wie harajuku* fuß zu fassen, blieb damals kaum eine andere wahl, als in die verwinkelten sträßchen hinter der meiji-dori zu ziehen, abseits der haupt-shoppingwege und in irgendein obskures apartment, gerne auch im zweiten stock hinten links. a store robot liegt zwar ebenerdig, aber mit dem bonus, dass sie nur über eine fußgängerbrücke zu erreichen sind. sie waren die ersten, die damals vivienne westwoods designs ins land holten. diese exklusivität prägte ihren ruf, sie sind bis heute nicht irgendein reseller, sondern haben eine eigene replica-linie. im video findet ihr neben dieser auch so einige sammlerstücke, die da so ganz unkommentiert an der wand hängen.

ebenfalls zu sehen und die nächste verbindung, ein shirt von den plastics. bands wie sie oder melon experimentierten mit punk, new wave und was sie sonst noch so fanden und sahen auch einen eigenen look als teil des gesamtkonzepts an. das nötige know how hierfür trugen die modestudenten in der szene bei, diese zeitzeugin beschreibt, wie sie das tsubaki house dank seiner mitgliederrabatte quasi schon tagsüber als mensa-ersatz besuchten oder wie dort lustige haarstyling-wettbewerbe abgehalten wurden. konzerte oder jobs im ausland ermöglichten einigen kreativen, immer weiter neue musik mitzubringen, die in den kleinen clubs auf dem plattenteller landete, und so erweiterte sich das repertoire stetig.

unter den besuchern von london nite und co war auch fujiwara hiroshi, der als punkfan nach london ging und am ende mit hip hop aus new york wiederkam. sein exklusiver fundus und sein wissen machten ihn zu einem gefragten designer, stylisten, kolumnisten, dj und rundherum zentralen punkt in der street fashion-szene. er half jonio und nigo bei der eröffnung von nowhere, die beiden bastelten ihre eigenen brands undercover und a bathing ape und damit war endgültig der grundstein gelegt für die entwicklung, für die der name urahara am ende stehen sollte: ein dichtes gewebe aus street fashion, musik und zitaten aus diversen szenen, von punk über skateboarding bis hin zum hiphop, gekrönt mit einem faible für alles limitierte, exklusive, historische. dieser teil der entwicklung ist hier nur noch begrenzt relevant, deswegen kürze ich ab. wer dazu mehr lesen will, dem empfehle ich dieses interview mit fujiwara sowie diesen und äh alle anderen artikel von marxy zu bape. zu wirkungen auf aktuelle designer diesen ln-cc artikel.

okay, hab ich mit dieser verrenkung jetzt die wurzel des wahren punk gefunden? wohl eher nicht. ich habe aber dank ein wenig hintergrundwissen ein instrument, um die entwicklungen in diesem bereich ein bisschen differenzierter zu betrachten als es anderswo üblich zu sein scheint.

natürlich gibt es auf der takeshita dori die billigen ‚punk‘-looks für die sonntags-rebellen aus den arte-dokumentationen. damit wird  sicher der größte umsatz gemacht, während die träger am wenigsten ahnung von der herleitung ihres stylings haben. der als so echt verehrte jimsinn hat zwar den korrekten musikgeschmack, verkauft letztendlich auch nichts anderes als mittlerweile etablierte basics, genau wie unsere hiesigen ‚alternativen‘ lädchen. gleichzeitig finden sich schon ein paar schritte weiter fanatiker, die es einem 0815-designerjob vorziehen, in irgendwelchen kellerlöchern ihre abstrusen ideen umzusetzen und sie an eine handvoll gleichdenkender weiterzureichen. die haben zwar die erwarteten radikalen ideen, hören aber nicht zwangsweise die richtige musik dazu. wer also kriegt das subkulturelle echtheitssiegel? vielleicht am ende doch wieder der ladenroboter, der mit seinem mix aus nostalgiekollektion und kreativen jungspunden in seiner eigenen kleinen bubbel vor sich hinschwebt.

tl;dr? der ladenroboter ist fein. ich habe keine ahnung von punk, aber einen internetzugang.

*  ich spreche die ganze zeit von harajuku, weil das beispiel es so hergibt, aber das ganze lässt sich aber sicherlich mit nur kleinen änderungen auch auf shimokita, koenji, amemura oder sonstwo übertragen.

希望 – 天%