Kategorie: popkultur und co

byebye FRUiTS, byebye harajuku?

die modemeldung der letzten woche: FRUiTS, das erste und einzig wahre streetsnap-magazin wird eingestellt, weil es in harajuku keine coolen kids mehr zu fotografieren gibt. uniqlo und h&m haben gewonnen, harajuku als modeparadies ist gefallen im namen des kawaii-tourismus. oh, wie sie alle einstimmten in den großen abgesang…

„es gibt keine coolen kids mehr in harajuku“?

…war der aufmacher überall, auch im original-interview. der kontext dieser aussage war aber der, dass es keine modelle mehr gebe, die aokis ansprüchen genügen. nun ist der herr eher zurückhaltend und medienscheu, aber die wenigen kommentare, die ich von ihm kenne, waren immer kritisch. beispielsweise gabs gemecker, dass gyaru / cosplayer ja das ende der kreativität seien und dass die street fashion-szene nach dem ende des hokoten eh am ende sei. lustig dabei: wir reden hier von genau der FRUiTS-hochphase, die hinterher durch fotobände und ausstellungen weltweite berühmtheit erlangen sollte. die den ganzen boom also erst gestartet hat.
die betonung sollte hier daher vielmehr auf die ansprüche gelegt werden, denn wenn FRUiTS eins war, dann anspruchsvoll. andere magazine bilden die zu ihrer publikation und zu den werbekunden passende teilrealität ab. die arbeitsweise: es wird konkret nach items oder looks gesucht, die zur zielgruppe passen und für die zuvor ein feature geplant wurde – teils aus dem wunsch, dem leser aktuelle trends aufzubereiten, teils sicher auch auf anregung der mit dem magazin verbundenen marken (lesenswert dazu dies und jenes).

das hat die FRUiTS komplett anders gemacht, weil sie eben kein klassisches modemagazin ist, sondern großteils fotos von der straße präsentiert und die durch einzelne designerinterviews oder andere, persönliche features ergänzt. soll nicht heißen, dass das magazin gänzlich unabhängig von harajukus modenetzwerk operiert hat: es war vielmehr sehr wählerisch in der auswahl derer, die die ehre eines fotos oder sogar des titelblattes bekamen, unterstützte diese dann aber langfristig. einerseits eine tolle möglichkeit, den aufstieg eines talentierten modeschul-studenten zum designer mit eigenen kreationen, welche dann wiederum an anderen personen fotografiert wurden, nachzuvollziehen und up to date zu bleiben, was sich in der eigenen szene so tut. dass dieser stil ehemalige FRUiTS-fotografen geprägt hat, zeigt z.b. die arbeitsweise von rei shito, die neben den fotos auch immer kurze unterhaltungen mit den modellen, teils mit rückbezug auf monate vorher angesprochene themen, postet.

andererseits nahm der fokus des magazins auf street snap-idole irgendwann überhand: anstelle der designer-vorstellungen hatten die letzten ausgaben profile von eher zufällig ausgewählt scheinenden…ja, was eigentlich? influencern? print-instagrammern? ob das als reaktion oder kommentar auf eben die wachsende beliebtheit solcher accounts gemeint war, kann man nur vermuten.

einige kommentare zur meldung werfen dem aoki direkt vor, dass ihm schlicht das verständnis für die aktuelle harajuku-generation fehle und er deswegen hingeworfen habe. auch hier wieder der blick auf die quelle (gleiches interview wie oben): er spricht zwar vorerst von einer einstellung der monatlichen FRUiTS-ausgaben, auch wenn sich die kreative lage mittlerweile wieder gebessert habe (!) und argumentiert zudem, dass ein monatliches printformat der zeitschrift nicht das sei, was die jungen leser suchten. klingt schon plausibler, hm? da er weiterhin interesse an der suche nach models und designern zu haben scheint und events plant, sind unregelmäßige sammelausgaben oder etwa eine online-fortführung der snaps noch lange nicht vom tisch. vonwegen die harajuku kids sind tot und alter mann frustriert von der ideenlosen jugend, hm?

und harajuku ist jetzt auch gentrifiziert, aus, vorbei?

harajuku war in den letzten jahren sicherlich nicht die ideale entwicklungsumgebung für junge, kleine brands. zu viel fläche wurde aufgekauft, sei es h&m oder asobisystems (kyary, cute cube, kawaii cafe, etc), alle haben sich dicke scheiben abgeschnitten vom cool japan-kuchen. obendrauf noch die touristenhorden – egal ob trekkingsandalen auf freak-fotojagd oder chinesische duty free-reisebusse – und es wird verdammt eng in dem kleinen stückchen land. wenn sich sogar herr fujiwara höchstpersönlich über die hohen mieten beschwert, während er einen popup store an der ginza betreibt, ist da irgendwas nicht ganz richtig.

was mich allerdings stutzen lässt sind die, die für die erhaltung der puren, reinen, handgemachten kreativität des viertels protestieren, so wie es sie schon immer gegeben habe. problem dabei: harajuku war nie so durchgehend indie, wie es die ganzen hipster gerne hätten. sicherlich wirkt das neue mega-gebäude am ende der takeshita wie der bedrohliche kommerz-hammer über den ganzen niedlichen zweistöckigen hutzelhäuschen, aber genau da hat schon ende der 70er ein hässliches kaufhaus mit internationalen luxusmarken gestanden (vierte reihe von oben links, erinnerungen einer anwohnerin, bilder vom café davor). sämtliche teenie-stadtguides der 80er erwähnen die takeshita als shoppingparadies für billige kopien aktueller modetrends aus der ganzen welt. stars und sternchen haben sie schon aus den reihen der takenoko-zoku gecastet (hiro-kun und shimizu kojiro, ersterer in aktion), auch die idolshops passten bereits ins straßenbild. das hokoten, die street fashion-obsession der 90er und der bape-boom (gefühlt alles, was kimutaku so anhatte, kam aus urahara, die hässliche leder-daunenjacke war der tophit und bekam neulich erst eine jubiläums-neuauflage) brachten ebenfalls nicht wenig medienaufmerksamkeit, die kleinen, versteckten shops von urahara waren plötzlich alle kartographiert und kategorisiert.

sicherlich ist es mitten im olympia-bauboom wichtiger denn je, die spezifischen räumlichen gegebenheiten z.b. rund um die cat street vor großen investoren und glaspalästen zu schützen. gäbe es die möglichkeit zu einer fashion-tokku, wie misha janette sie hier fordert, wäre das sicherlich ein großer schritt in die richtige richtung. wahrscheinlich ist er allerdings nicht.
trotz alledem weigere ich mich allerdings noch, in den abgesang auf harajuku einzustimmen. diese ecke hat schon viel zu viel miterlebt, ohne ihre anziehungskraft zu verlieren. insbesondere der bereich rüber nach shibuya wird jedes mal, wenn ich wieder einen blick hinwerfe, interessanter. aber mal abwarten, wie meine stimmung nach dem ersten besuch dieses jahr aussieht. bisher glaube ich allerdings noch, dass die klassische gentrifizierung, wie wir sie hier an jeder ecke erleben, nicht 1:1 auf tokyo übertragbar ist. aber wir werden sehen…

(herzlichen glückwunsch, natürlich hab ich jetzt nen ohrwurm von dem takenoko-zoku-discoschranz…)

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nichtsocooljapan

yup, unser aller lieblingsthema ist in die nächste runde gegangen, diesmal mit einem supersymbolischen doppelfail.

nach der japan expo, die weltweit ja schon überall mal station gemacht hat, haben sie* jetzt auch ein mit popkultur für japan werbendes event im land selber veranstaltet: das moshimoshi nippon festival. wie das funktioniert? man stellt einen haufen künstler in tokyo auf die bühne und lädt alle ausländer für lau ein – und drückt jedem zusatzlich noch nen essenscoupon in die hand. in sich keine falsche idee, wa?

leider ging dieser plan mal wieder schief. erstens: offensichtlich hatte selbst bei asobisystem, dem selbsternannten hort der harajuku hipness, keiner plan, wie man das land kreativ repräsentieren könnte. kyary als headliner war sicher richtig und hauptgrund für das erscheinen vieler, auch una oder akira werden bei den kera-lesern willkommen gewesen sein…aber wer hatte die restliche idol-klonarmee bestellt? wollten sie mit cool japan nicht irgendwann mal die individualität des landes beweisen, so als gegenbewegung zum negativ-image der 80er?

zweitens: die trennung in ausländer und japaner war nicht nur beiderseits peinlich, weil erstere freien eintritt und futter für ihre anwesenheit bekamen, während die locals regulär für alles zahlen und als teil des menschenzoos dienen durften. sie haben auch noch eine spezielle gaijin area gebastelt…weil…die fremden ja besser unter sich bleiben, während sie das exotische land kennenlernen. fünf minuten nachdenken hätten zu der erkenntnis führen können, dass „alle besitzer eines ausländischen passes“ auch langzeitig in japan wohnende, popkulturaffine menschen sind, die sich für lau erst recht den spass machen und auf so einem event erscheinen. hmm, welchen eindruck die wohl ins ausland weitergegeben haben? der noisey-artikel fasst es ganz gut zusammen und hat stimmen aus dem publikum.

mit prima timing kam dann noch diese meldung: Man arrested in Japan for uploading television shows on Dailymotion. ja, diese kriminelle person – einige mögen ihn als bkyuu douga kennen und ihm zu dank verpflichtet sein – hat es gewagt, im fernsehen innerhalb japans frei verfügbare dinge wie variety shows weltweit zu teilen. unberechtigte, im ausland ansässige menschen hätten aus dem wertvollen, nur für das inland bestimmten entertainment frei wählen können, um sich ein bild vom land zu machen. am ende hätte sie für japaner konzipierte werbung erreicht und sie hätten produkte des landes gekauft, sie wären fans japanischer künstler geworden oder hätten sich dieser unerlernbaren sprache angenähert – nicht auszudenken! es hätte zur weltweiten verbreitung japanischer popkultur beigetragen und am ende wären die auch noch als touristen im land erschienen! nee nee nee.

* in diesem falle asobisystem, aber da die in der vergangenheit mit mehr als freundlicher unterstützung der regierung gehandelt haben, sehe ich sie als festen teil der cooljapan-kampagne.

nichtkimono, dochkimono

„kimonos“, die für mich eher wie auch für mode-DAUs tragbar erscheinende strickjacken aussehen (dat kaschiert so schön…nehmsch in neongrün-paisley), sind laut diverser wunderbar symbolbebilderter artikel wie diesem oder jenem der sommertrend in großbritannien. und natürlich machen sich deswegen wieder menschen ins hemd, kulturelle aneignung, orientalismus, hastenichgesehn. es spukt schon einige tage über tumblr, manche kommentare unter diesem post fassen es aber ganz gut zusammen.

andererseits find ich es aber interessant, wie jenseits des aktuellen trubels der schnitt im westen zum standard-schnittrepertoire gehört – sogar ein avantgardistisches hausfrauen-trendorgan wie die burda hat das wort „kimono“ seit jahrzehnten schon als bezeichnung für weite, kastige ärmel und eventuell einen überschlag im programm. wäre mal spannend rauszufinden, wer diese einzelnen bestandteile vom ursprünglichen kleidungsstück abgeleitet und dauerhaft in den modekanon eingebaut hat. und ob / wie es in japan verstanden wird – f21 beispielsweise bietet solche schnitte als „kimono-fuu“ (~style) bezeichnet auch dort an. und wie nennen es die magazine? geht da mode-wissen über die alltäglichere assoziation, anders als bei hiesigen journalisten und weebs? wenn ja, würde das durchaus etwas über markt und konsumenten aussagen.

und generell…wären die strickjackengeräte überhaupt wenn nicht eher ein happi? welche ich durchaus schon in interpretationen von japanischen modelabels gesehen habe, also mehr alltäglich und weniger matsuri-mäßig. hm hm hm.  nvm me, ich sollte recherchieren gerade und musste nur kurz prokrastinieren.  oh schaut mal, der ballroom hat wieder lustige neue bandnamen aufgelistet… 8D

♫ the wytches – burn out the bruise

musikgeschichte überall: TO-Y

okay, das klingt jetzt eher komisch, aber ich hab ne anime-empfehlung für euch. nicht wegrennen – normalerweise bin ich da ja weniger qualifiziert, das ist mir bewusst, aber das hier ist was anderes. hat nämlich mit musik zu tun und mit den 80ern. eigentlich sogar mit beidem gleichzeitig. es ist quasi beck oder nana, nur vor 20 jahren.
in fachkreisen scheint die TO-Y OVA als geheimtipp gehandelt zu werden, fragt mich aber bitte nicht, warum dem so ist. die story ist eher semi-reichhaltig, die animation dem alter entsprechend ebenfalls nicht der bringer, aber sie werden schon ihre gründe haben. retro-avantgardismus beiseite, relevant ist: das ding bietet einen netten einblick in die damalige musikwelt und die veränderungen, die bevorstanden.

der anime basiert auf dem gleichnamigen manga von kamijo atsushi aus dem jahr 85, die adaption ist von 87. TO-Y ist sänger der band GASP, die kurz vor ihrem größten erfolg stehen – einem live im hibiya yaon (der großen open air-bühne mitten im hibiya-park, ame no yaon undso). gleichzeitig bekommt er aber auch die chance, eine solokarriere zu starten und als idol deutlich mehr zu erreichen, als sich eine band damals hätte träumen lassen. ich belasse es für die inhaltsangabe mal dabei, das ding ist ja (fan)subbed.


spannend ist das ganze aus zwei perspektiven: zum einen kann man die zeit kurz vor dem großen bandboom, aus dem später unter anderem visual kei hervorgehen sollte, ein bisschen miterleben. man sieht das alte loft, damals noch in nishi-shinjuku, die probenräume, die bands und fans, ihr styling, auf der anderen seite aber auch das damals richtig boomende pop-business, nicht umsonst nannten sie es die goldenen jahre der idols. produktionsfirmen hatten die medienhoheit, waren in der lage, eine karriere aus dem nichts zu erschaffen oder zu zerstören. und plötzlich kamen bands wie boowy, die blue hearts und konsorten an und spielten sich von den bandwettbewerben auf immer größere bühnen, waren inspiration für den nachwuchs. das publikum feierte die abwechslung – indielabels und zeitschriften folgten, das hokoten bot die möglichkeit für open air-lives, ikaten (revival-specialdings) brachte das ganze ins fernsehen, die großen labels stiegen ein. die bands, die erfolgreich aus der boomzeit hervorgingen, brauche ich wohl keinem mehr vorzustellen, denn ohne die würdet ihr das hier nicht lesen.

zum anderen, und hier wird das jetzt wieder meta, kann man retrospektiv wunderbar sehen, wie auch manga oder anime wie dieser den boom mit beeinflusst haben. falls sich jemand wunderte, wie zur hölle ich überhaupt auf TO-Y kam: lest mal interviews mit den  bandboom-kindern, in denen sie gefragt werden, wie sie damals auf die idee mit der musik gekommen sind. nicht wenige werden neben den zu erwartenden musikalischen vorbildern auch etwas wie diese story nennen. (zur hand hätte ich diese erwähnung des herrn h. der lieblingsband g. irgendwo ab minute 11, aber da geht deutlich mehr, wenn man sucht.)

und als weiteren bonus: die bands waren beim anime nicht ganz unbeteiligt. nokko spricht die rolle der niya, opening und ending sind von psy-s, der soundtrack hat alles von zelda über street sliders bis barbee boys. schade, dass die protagonisten keine eigenen aufnahmen bekommen haben, aber der rest passt perfekt.
noch großartiger ist allein die darstellung der pop-fankinder, denn die ist auch für heutige verhältnisse noch absolut auf den punkt. der kontrast zu den GASP-fans – ich applaudierte.

soweit. wer lust bekommen hat: das video da oben ist die komplette OVA mit fansubs, mit japanischen originalen wird man nicht viel glück haben, wenn man das so liest. der manga schwirrt in rohfassung ebenfalls durchs netz. einen soundtrack meine ich auch gesehen zu haben, wobei einem sowas wie die sliders in jedem bookoff albenweise hinterhergeschmissen wird.

♪ UPLIFT SPICE – the hanged man

ladenroboter

oh, schaut mal, die plasticzooms (bzw der asakawa) haben es zu mtv81 geschafft und prompt die filmcrew in den a store robot in harajuku geschleppt.

der steht seiner meinung nach für ura-harajuku und die synthese zwischen mode und musik, die er als grundlage für sein harajuku sieht. dass sie gerade diesen shop featuren um das zu zeigen, freut mich, allerdings ist es schade, dass sie das ganze scheinbar stark runtergekürzt haben. denn es ist interessant, wie ein angeblich so oberflächlicher bereich wie mode gerade punk in japan einiges an tiefe gibt, die ihm nur allzu gerne aberkannt wird, weil da ja keiner die ‚echten‘ entwicklungen in england oder amerika nachfühlen könne, weil die ganze rebellion nur ein look sei.

aber bleiben wir beim video und bei mode und musik und urahara (= ura-harajuku, quasi die rückseite von harajuku). ‚es ist nicht ausreichend, nur coole mode oder coole musik zu machen‘, schön und gut, aber wie genau ist es in diesem fall mehr geworden?

ich würd zu anfang gerne auf einen kurzen englischen artikel zur geschichte des punk in japan verweisen, aber das beste, was sich da machen lässt ist dieser von ian martin zur geschichte der alternativen musik in japan. merken wir uns einfach, tokyo rockers 79, zum beispiel der s-ken ist als reisender journalistenmusikerfotograf für den direkten import zuständig gewesen, größere zeitverschiebungen gab es da also nicht.

um als newcomer in einer hippen gegend wie harajuku* fuß zu fassen, blieb damals kaum eine andere wahl, als in die verwinkelten sträßchen hinter der meiji-dori zu ziehen, abseits der haupt-shoppingwege und in irgendein obskures apartment, gerne auch im zweiten stock hinten links. a store robot liegt zwar ebenerdig, aber mit dem bonus, dass sie nur über eine fußgängerbrücke zu erreichen sind. sie waren die ersten, die damals vivienne westwoods designs ins land holten. diese exklusivität prägte ihren ruf, sie sind bis heute nicht irgendein reseller, sondern haben eine eigene replica-linie. im video findet ihr neben dieser auch so einige sammlerstücke, die da so ganz unkommentiert an der wand hängen.

ebenfalls zu sehen und die nächste verbindung, ein shirt von den plastics. bands wie sie oder melon experimentierten mit punk, new wave und was sie sonst noch so fanden und sahen auch einen eigenen look als teil des gesamtkonzepts an. das nötige know how hierfür trugen die modestudenten in der szene bei, diese zeitzeugin beschreibt, wie sie das tsubaki house dank seiner mitgliederrabatte quasi schon tagsüber als mensa-ersatz besuchten oder wie dort lustige haarstyling-wettbewerbe abgehalten wurden. konzerte oder jobs im ausland ermöglichten einigen kreativen, immer weiter neue musik mitzubringen, die in den kleinen clubs auf dem plattenteller landete, und so erweiterte sich das repertoire stetig.

unter den besuchern von london nite und co war auch fujiwara hiroshi, der als punkfan nach london ging und am ende mit hip hop aus new york wiederkam. sein exklusiver fundus und sein wissen machten ihn zu einem gefragten designer, stylisten, kolumnisten, dj und rundherum zentralen punkt in der street fashion-szene. er half jonio und nigo bei der eröffnung von nowhere, die beiden bastelten ihre eigenen brands undercover und a bathing ape und damit war endgültig der grundstein gelegt für die entwicklung, für die der name urahara am ende stehen sollte: ein dichtes gewebe aus street fashion, musik und zitaten aus diversen szenen, von punk über skateboarding bis hin zum hiphop, gekrönt mit einem faible für alles limitierte, exklusive, historische. dieser teil der entwicklung ist hier nur noch begrenzt relevant, deswegen kürze ich ab. wer dazu mehr lesen will, dem empfehle ich dieses interview mit fujiwara sowie diesen und äh alle anderen artikel von marxy zu bape. zu wirkungen auf aktuelle designer diesen ln-cc artikel.

okay, hab ich mit dieser verrenkung jetzt die wurzel des wahren punk gefunden? wohl eher nicht. ich habe aber dank ein wenig hintergrundwissen ein instrument, um die entwicklungen in diesem bereich ein bisschen differenzierter zu betrachten als es anderswo üblich zu sein scheint.

natürlich gibt es auf der takeshita dori die billigen ‚punk‘-looks für die sonntags-rebellen aus den arte-dokumentationen. damit wird  sicher der größte umsatz gemacht, während die träger am wenigsten ahnung von der herleitung ihres stylings haben. der als so echt verehrte jimsinn hat zwar den korrekten musikgeschmack, verkauft letztendlich auch nichts anderes als mittlerweile etablierte basics, genau wie unsere hiesigen ‚alternativen‘ lädchen. gleichzeitig finden sich schon ein paar schritte weiter fanatiker, die es einem 0815-designerjob vorziehen, in irgendwelchen kellerlöchern ihre abstrusen ideen umzusetzen und sie an eine handvoll gleichdenkender weiterzureichen. die haben zwar die erwarteten radikalen ideen, hören aber nicht zwangsweise die richtige musik dazu. wer also kriegt das subkulturelle echtheitssiegel? vielleicht am ende doch wieder der ladenroboter, der mit seinem mix aus nostalgiekollektion und kreativen jungspunden in seiner eigenen kleinen bubbel vor sich hinschwebt.

tl;dr? der ladenroboter ist fein. ich habe keine ahnung von punk, aber einen internetzugang.

*  ich spreche die ganze zeit von harajuku, weil das beispiel es so hergibt, aber das ganze lässt sich aber sicherlich mit nur kleinen änderungen auch auf shimokita, koenji, amemura oder sonstwo übertragen.

希望 – 天%

karaoke-ersatz?

karaoke, wie ich es wünsche: kataloge voller obskurer songs zum blättern und nostalgieren, gruppenchoräle zu shazna, weil akutes damals. neondeko, allnighter und getränkeflat. verzweifelte versuche, im eigenen musikgeschmack songs zu finden, die gleichzeitig innerhalb des songtext-wissens und der stimmlichen möglichkeiten liegen.

karaoke hierzulande: eher die kragenweite meiner nachbarn, die sich so regelmäßig an den aktuellen hits der weinenden frauen aus dem radio versuchen. entweder man begibt sich hierzu in die hölle der altstadt oder wählt die unpassendste singstar-edition, die sich im videoverleih finden lässt. mmh, nope.

kurz keimte in mir aber hoffnung auf, als ich las, dass nintendo die joysound-app auch hierzulande auf den markt bringen wollte. vom problem der fehlenden wii u / cash monies mal abgesehen, zugriff auf die archive eines großen japanischen karaoke-anbieters so ganz bequem zu hause, das wäre was sehr feines. dummerweise tat nintendo aber wieder das, was nintendo derzeit so tut und limitierte den hiesigen zugriff auf uninteressanten müll.

ich weiß nicht, ob der lange arm der cool japan-propaganda so weit reicht, dass man es einige zeit nach release jetzt doch versucht. auf jeden fall finden sich nun im songkatalog tatsächlich japanische songs, ganze drei seiten! und es ist eine wahrlich randome auswahl, angefangen mit after dark von ajikan, über den anpanman-titelsong, TM network (nein, nicht get wild, sondern irgendwas obskures), AKbesen in allen formen und farben bis hin zu unlimits (whatttt….ah, naruhto-opening).

nun kenne ich die umsetzung selber nicht, aber gemischt mit den wii-terrorpartygame-klassikern wie wario ware hört es sich theoretisch doch nach einer möglichkeit an, spass zu haben. wenn jetzt bitte die plattenfirmen und nintendo den hintern hochkriegen und alles freigeben würden, damit ich mein geld nach ihnen werfen kann… illusorisch, ich weiß. aber wisster bescheid.

♫ LUNA SEA – Glowing (baaahn!)

dancing is illegal

die club-problematik in japan werden wahrscheinlich schon einige mitbekommen haben: nachdem es diverse jahrzehnte niemanden kümmerte, hat die polizei seit einiger zeit nichts besseres zu tun, als einen teil der adult entertainment laws durchzusetzen, der da sagt: getanzt wird bitte nur bis mitternacht und in clubs, die eine gewisse mindestgröße, -helligkeit und andere standards einzuhalten haben. genauere infos zum gesetzestext und den ausführungsbestimmungen finden sich hier (jp), presseberichte z.b. hier.

ursprünglich diente das ganze nach dem krieg wohl der bekämpfung von prostitution, aber von den fragwürdigen erfolgen an dieser front mal abgesehen wirkt die gesamte idee heutzutage mehr denn je wie ein schlechter witz. außer überaus stilvollen großraumdiscos wird gerade in größeren japanischen städten wohl kaum ein club allein die platzanforderungen erfüllen können.

lärmproblematik und feuerschutzgründe wären noch das, was ich am ehesten als argumente akzeptieren könnte, aber ein bericht aus dem shuukan playboy lässt viel dramatischere hintergedanken erahnen.  in ihrem report über ein gerichtverfahren gegen einen clubbetreiber in osaka haben sie gar wunderbare polizei-zitate gesammelt, die den frevel klar umreißen:

According to the magazine, law enforcement defines “dancing” as follows: “A building atmosphere of pleasure between men and women in which the sexual mores in society can be effected.”

In an attempt to offer elucidation on how such an activity can be a detriment, a police officer took the stand. After outlining a number of dance movements, including foot stepping within a width of one meter, arm and head shaking, lower back bending and overall body shaking in an up-and-down motion, the officer said, “One’s self control becomes unrestrained and, with this sense of freedom, problems related to one’s sexuality could result.”

(quelle: tokyo reporter)

und falls nach der beschreibung noch jemand probleme hat, sich diese verabscheuungswürdigen bewegungen genau vorzustellen, anbei ein gif, das die situation exzellent zu illustrieren weiß:

(via)

man könnte an dieser stelle einen bösen verweis auf dinge wie die dramatisch gesunkene geburtenrate bringen. oder spekulieren, wie zuträglich solche gesetze den tollen popkultur-imagekampagnen der regierung sind. was aber wirklich wichtig ist: huldigt dem shuukan playboy, dem endlosen quell der wirklich relevanten popkulturellen informationen. (das meine ich ernst, verweise an dieser stelle auf herrn namba, der eine komplette nachkriegsgeschichte der subkultur in japan großteils auf ebendiesem aufbaut. der hat die artikel da drin garantiert alle gelesen.)

ahja, der titel des posts stammt nebenbei von diesem heysmith-song.