reisebüro rock’n’railpass: konzerttips

C360_2016-07-08-13-40-46-737konzertpost nummer zwei – euer ticket habt ihr, der große tag ist gekommen, begeben wir uns mental zur halle.

halt stopp, vorher: checkt die einlasszeiten, denn konzerte in japan fangen gerne früher an als erwartet, damit am ende noch jeder mit dem zug nach hause kommt. kleinere locations legen den einlass meist in richtung 18.00, in stadien bin ich auch schon um kurz nach drei dringewesen, weil es gegen vier losging. den weg weist euch googlemaps (wie ihr an mobiles internet kommt, steht hier).

ein blick auf die adresse gibt euch auskunft über das stockwerk, in dem das livehouse liegt. langweilige ebenerdige einzelhallen gibts zwar, aber das loft ist z.b. im zweiten untergeschoss unter einem haus voller hostclubs, das quattro haben sie auf einen bookoff draufgestapelt, das nächste ding liegt versteckt in ner einkaufsstraße… es kann nicht schaden, extra suchzeit einzuplanen. bonustipp: haltet im zug ausschau nach menschen mit passenden bandgoods und folgt ihnen unauffällig. funktioniert inbesondere bei größeren events ganz prima!

und weiter dann?

was pack ich ein?

viele japanische guides (jep, die gibt es und ich habe sie für euch gelesen) widmen der konzert-ausrüstung lange ausführungen. ich denke, ihr wisst selber am besten, was ihr braucht. drei japanspezifische tipps meinerseits:

  • augentropfen: in japan darf in allen kleineren hallen immer noch geraucht werden und die klimaanlagen stehen in unpassenden momenten auf schockfrosten. kontaktlinsenträger werden tropfen mitnehmen wollen oder eventuell, so die action es zulässt, doch bei der brille bleiben.
  • ein (schal)handtuch gehört drüben häufig zu den goods und baumelt an hälsen und taschen. hierzulande mag es mancher für kinderkram oder fürchterlich un-punk halten, aber ein wilderes konzert im japanischen sommer und ihr packt gleich noch eine komplette wechselgarderobe mit ein (was tropft von der decke und ist kein wasserschaden? …ja.). optional für nachher, aber schon irgendwie geil: die kühlenden deotücher, die es im konbini oder drugstore gibt. z.b. jene oder welche, alles mit „ice“ drauf.
  • eine 500yen-münze und kleingeld: damit habt ihr den drinkticketpreis am einlass direkt bereit und noch ein paar hunderter für ein schließfach. viele hallen haben keine garderobe mit ineffektiven mitarbeitern, sondern einfach wändeweise kleine fächer, genannt locker (ロッカー). kostenpunkt meist so um die 300, 400yen (in 100yen-münzen).

menschen vor der halle brüllen panisch in megafone – wasdalos?

menschen vor hallen brüllen generell gerne in megafone, genau wie die typen mit den blinkewinkestäben an baustellen gerne winken. manchmal haben sie aber was wichtiges zu sagen, und das ist zum beispiel beim einlass so. bei einer erstaunlich hohen zahl an mittleren bis großen hallen, egal ob für 200 menschen beim shimokita garage oder bei geräten wie den zepps, gibts eine einlassreihenfolge nach buchstaben und nummern. A-100 wird also aufgerufen bevor C-245 den laden betreten darf. zeitweise beeinflusst die art des tickets auch die einlasszeit, playguide-tickets können vorzug haben vor bandreservierungen oder tagestickets. klingt verwirrend, aber die megafonmenschen haben meistens auch schilder mit den nummern, bis zu denen aktuell eingelassen wird. eure einlassnummer findet ihr auf dem ticket, meistens als A/B/C 000番 (ban, für nummer 000). steht irgendwo auch オールスタンディング (all standing) oder 1F立見 (tachimi, stehplatz im erdgeschoss) oderso, könnt ihr euch frei in der halle bewegen.

C360_2016-08-05-14-43-57-386C360_2016-08-05-14-40-48-066für den fall dass ihr ein konzert mit sitzplätzen erwischt habt, gibt es je nach hallen/stadiengröße noch weitere angaben wie ゲート (gate) oder xyz入口 (iriguchi, eingang nr. xyz) , スタンド (stands) oder アリーナ (arena), blocknummern, 通路 (tsuuro) gang, 列 (retsu) reihe und wiederum eine platznummer 番 (ban). da sind aber immer genug hallenmitarbeiter da, die euch den platz zeigen werden, wenn ihr verwirrt seid.

linkerhand zwei professionell abgeknipste beispiele, klicken zum vergrößern: einmal 全席指定 (zenseki shitei, nur zugewiesene sitzplätze) bei den zazen boys im shibuya kokaido (c.c.lemon hall? pff, es heißt auch weiterhin westfalenstadion) – weil das aber nicht so groß wie eine arena ist, nur mit stockwerkangabe (1階), reihe und platz (28列 und 29席). und einmal オールスタンディング (all standing) mit einlassnummer (B  167番) bei J im o-east. open und beginn sind ebenfalls klar erkennbar, genau wie der preis.

eh, menschen am einlass fragen mich dinge???

dass ihr nach dem ticketcheck eure 500 yen drinkticket bezahlt, hatten wir schon. manchmal fragen sie euch in kleinen läden an dieser stelle direkt, was ihr trinken wollt – bierchen, softdrinks, mixgetränke, meistens zählen sie ein paar sachen auf. andere möglichkeit: bei events wird beim einlass nachgefragt, für welche band ihr gekommen seid – sucht euch eure favoriten, die am spritgeldbedürftigsten aussehende band oder den seltsamsten namen aus, denn für die zählt ihr dann als gast.

also ich hab ja gehört, japaner gehen auf konzerten gar nicht ab?

genau, und die tragen alle helme beim feiern. natürlich kann drüben genau wie hier alles oder nix los sein auf nem live. welcher künstler welches publikum anzieht und wie es sich verhält, ist von so vielen faktoren abhängig, dass man nicht je nach sound pauschalisieren kann. vielleicht stammt die behauptung daher, dass zugereiste konzertbesucher die fans der betrachteten band einfach anders eingeschätzt haben.

zur logistik: die meisten hallen haben brecher, die die halle ein bisschen aufteilen. die solltet ihr idealerweise vorher zur kenntnis nehmen, tut nämlich weh, wenn man später mit den rippen voran einen findet. generell ist das publikum, das ich kennengelernt habe, sehr hilfsbereit: wer hinfällt, wird wieder aufgehoben, wenn jemand was runterwirft, bilden ein paar umstehende eine art absperrung damit gesucht werden kann, wasser wird durchgereicht, verlorene schuhe und handys wiedergefunden. manche hallen verbieten mosh und dive – klassischerweise wird das von den bands dann extra erwähnt, bevor sie nen surf-song spielen, damit auch ja alle mitmachen. ein bisschen wilde anarchie dürft ihr also walten lassen, wenn die umstehenden das genauso tun.

jetzt steh ich hier und die starren mich alle an…

passiert. neben einer handvoll geistiger fußgänger („ob der gaijin die band überhaupt kennt?“ – wie kommst du drauf? ich bin hier nackt rumgerannt, bis mir wer ein altes bandshirt überzog und mir ein ticket für dieses fragwürdige ausverkaufte event in einem miniclub gab. passiert mir ständig, so als ausländer!) bin ich supervielen netten menschen begegnet, die nur erstmal ziemlich perplex waren, jemand fremdes in ihrem kellerclub zu sehen. auch wenn ich meinem vorschlag nicht immer selber folge, einfach mal freundlich zunicken kann nie schaden.

wieso verbieten die garstigen schilder das fotografieren?

gute frage – für einige agenturen sichert es das copyright oder garantiert, dass keine hässlichen fotos ihrer hübschen bandmitglieder verbreitung finden. abgesehen davon ist es aber eins: sehr angenehm, weil man sehen kann, ohne alle zwei meter ein ipad maxi pro vor der nase zu haben. und während sie beim mosh/dive-verbot mal ein auge zudrücken, achten die staffer auf kameras. also tut euch den gefallen und lasst es einfach. ausnahme: auf kleinen konzerten, wo kein offizieller fotograf zur stelle ist, ist knipsen häufig erlaubt oder wird sogar erbeten. einfach nen blick in die runde werfen, wenns so wichtig ist.

das live ist rum, omg ich habe meine allerliebste lieblingsband gesehen, wie kann ich ihnen für ihre existenz danken?

klassischer weg bei großen und mittelgroßen hallen: die アンケート (ankeeto, umfrage) ausfüllen, die entweder als blatt ausgehändigt oder mittlerweile über nen code online durchgeführt werden. zur not werden die sicher auch auf englisch verstanden. wenns euch ganz wichtig ist, gibt es bei größeren konzerten auch geschenkeboxen, in die ihr nen brief und ne flasche schnaps reintun könnt. in kleineren livehouses kann es gut sein, dass am goodsstand die halbe band steht oder auf events im publikum auftaucht. wenn ihr ihnen begegnet, könnt und solltet ihr die chance zum hallo und danke sagen nutzen. praktische universelle phrase, die (nach dem auftritt) sowohl für unsicher auf den ausländischen gast blickende bandmenschen als auch für mit-fans funktioniert: otsukaresama (im übertragenen sinne „gute arbeit“, genauere bedeutung und verwendung siehe z.b. hier).

und damit haben wir teil zwei des konzertspecials! es folgt vorerst noch ein teil zu sparmöglichkeiten und weiteren live-hintergründen, dann hat der sermon ein ende.

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