linkmix

hab einen neuen nachbarn, der bei der hitze nix besseres zu tun hat, als seine lärmempfindlichkeit durch lautes geschrei zum ausdruck zu bringen. also fenster auf, musik laut und linkmix!

★ wichtige wissenschaftliche analyse: jemand hat kanaboon langsamer und ajikan schnellergedreht und findet heraus, dass die jeweiligen sänger eigentlich eine person sein müssen.

★ wenn gerade jemand über mode und ihre ungeschickte aneignung von subkulturellen elementen lästert, dreht es sich am ehesten um die skaterszene. verwirrender find ich die aktion von McQ, dem diffusion-label von mcqueen: sie haben sich bo ningen als models für die neue kampagne gebucht, die von irgendeiner clubszene der 70er in shinjuku inspiriert sein soll. welche genau das sein soll ließen diverse artikel offen, dieses i-d interview benennt schließlich die fuuten-zoku. um das zu illustrieren, nhk bericht von damals, erste hälfte dieses artikels (jp, pdf, englisches abstract am ende). anstelle einer clubkultur seh ich da eher ungewaschene junge leute, die ihre schockwirkung in zeiten des wirtschaftsbooms im tatenlosen, zugedröhnten herumgammeln auf öffentlichen plätzen fanden, bis sie spätestens 69 durch den umbau des bahnhofs verscheucht wurden. im westen tokyos wurde in dieser zeit sicherlich kulturell viel experimentiert, woraus zahlreiche einflussreiche künstler hervorgingen, aber ich denke, da hat das designteam auf der suche nach einem exotischen namen danebengegriffen. bei der wahl der repräsentanten irgendwie auch – ich freue mich über alle aufmerksamkeit, die diese großartige band bekommt und ihre mächtigen haare allein rechtfertigen ein modeshooting. allerdings: nachfragen zu den „great shinjuku futens“ lösen bei ihnen nur unverständnis aus.  klingt seltsam, wenn gerade die mir erzählen wollen, nix mit psychedelia zu tun zu haben, aber in diesem aktuellen interview mit der japan times erklären sie zumindest, japanische underground-musiker erst im westen kennengelernt zu haben, weil sie in japan einfach nicht so bekannt sind. hm.

hier hat sophie knight die ganze kawaii-geschichte einmal aufgewärmt und schlägt damit – leider immer noch nur die kinsella aus den 90ern zitierend – einen bogen zu pokemon go. niedlichkeit als rebellion wird zu niedlichkeit als eskapismus. die welt ist schlecht und deswegen jagen wir lieber pikachus als der bedrohung durch gleichermaßen gelbe vogelscheuchen-politiker ins auge zu sehen. kann man machen – man könnte allerdings auch differenzierter an die sache herangehen, gerade wenn man japan kennt.
zum einen: die verarbeitung von größeren gesellschaftlichen veränderungen und problemen durch hinwendung zur popkultur hat uns, wenn wir schon von japan sprechen, die kreative boomphase der 90er und frühen 00er gebracht. die wird allerseits gelobt für populäre, aber eben nicht hirnlose werke. also nicht zwingend gleich abschottung und bloßnichtdrübernachdenken. ich glaube außerdem nicht, dass alle japaner dem medium der (offiziellen) maskottchen gegenüber gleichermaßen unkritisch sind: war pipo-kun nicht das ding, was alle gedisst und karikiert haben? und warum haben wir leute wie den murakami oder auch die ganzen yurukyara, die doch eher ein meta-verständnis des ganzen niedlichkeitsgeraffels verlangen?
klar lenkt pokemon go den blick weg von harten nachrichtenmeldungen, aber es bläst doch einer gesellschaft nicht kollektiv das hirn raus, nur weil es niedlich ist…seit den 90ern. außerdem, gleichzeitig subtil über sommerlochjournalismus zu motzen, mitzumachen und obendrein noch computerspiele und verdummung zu beweinen – das gibt ein klischee-fleißbienchen.

★ und weil wir noch nicht genügend lange artikel hatten (nein ohne scheiss, der ist gut!): yamanote vs. shitamachi – wieso wirken azabu juuban oder aoyama so schick und wieso nakano oder shinjuku so rumpelig und heruntergekommen? eine coole stadtgeschichtliche analyse, die macht, dass ich noch mehr als eh schon wild herumlaufen will in tokyo.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s